Marvin Fritz – der Tiger auf dem Sprung

Marvin Fritz - Team BAYER · BIKERBOX · LANGENSCHEIDT – RACING

von Dorothea Schmitt -/ds | Foto: Nicolas Fischer |
Als kleiner Privatier holte Marvin Fritz vom Bayer-Bikerbox Racing innerhalb von 2 Jahren zwei Titel, einen davon in der Königsdisziplin des deutschen Motorrad­sports. Jetzt öffnet sich für den 23-jährigen der Vorhang der internationalen Renn­sportbühne.

Noch vor drei Jahren stand Marvin Fritz vor dem Aus seiner noch so jungen Motor­sportlaufbahn. Durch sein persönliches Engagement und durch Mithilfe einiger vertrauter Personen bekam der talentierte 23jährige quasi in letzter Minute noch einen Startplatz im Bayer-Bikerbox Team, in der IDM Klasse Supersport 600 ccm. Die realistischen Erwartungen auf Erfolgsaussichten wurde mit Platzierung 5,4 und im besten Fall mit 3 beziffert. Nicht nur das eigene Team, sondern auch die Konkurrenten staunten nicht schlecht, als Marvin Fritz die Erwartungen sprengte und 7 von 16 Rennen und den Meistertitel in seinem ersten Jahr gewann. Ein Jahr später stand der Klassenwechsel in die Superstock 1000 ccm an. Auch hier zeigte Fritz keine Anpassungsschwierigkeiten. Mit mehreren Podiumsplätzen war Fritz am Jahresende Vierter in der Meisterschaft und die Frage stellte sich, ob er noch ein weiteres Jahr in dieser Klasse auf Titelkurs gehen sollte oder gleich in die Königsdisziplin, die Superbike IDM wechseln sollte.

Marvin Fritz - Team BAYER · BIKERBOX · LANGENSCHEIDT – RACING

Nach langen Überlegungen entschied sich das Team und Marvin Fritz für den Aufstieg in die Superbike IDM. Ein Umstieg der für alle Beteiligten nicht einfach werden sollte. Während Marvin Fritz auf die Suche nach weitere Sponsoren ging, kümmerte sich die Crew um Cheftechniker Sepp Buchner in Tag und Nacht­schichten um die Fertigstellung der Yamaha R 1. Nach einigen Testfahrten war das kleine Privatteam von Jakob Bayer und Sepp Buchner gerüstet für den Kampf gegen die großen Werksteams von Yamaha und BMW. Respektlos und völlig unbeeindruckt fuhr Fritz der Elite um die Ohren und schnappte sich schon beim zweiten Rennen den ersten Sieg in der Königsdisziplin. Die Teamchefs der Werksteams waren sprachlos – während der eine Teamchef den Sieg als Zufallstreffer erklärte, erkannte der Werksteamchef von BMW, Werner van Daemen das wirkliche Talent des Schützlings von Bayer/Buchner und versuchte auf eigen Art und Weise sich Fritz zu entledigen. Marvin Fritz schmunzelnd: “In Belgien wollte ich nach einem Toillettengang wieder zurück in die Startaufstellung, als ich bemerkte, dass die Tür von außen verriegelt wurde. Dann hörte ich ein lautes Lachen und BMW Teamchef van Daemen gab die Tür gerade noch rechtzeitig wieder frei“.

Hätte dieser Teamchef in die Zukunft schauen können – wahrscheinlich hätte er die Tür nicht geöffnet. Marvin Fritz gewann weitere Rennen und war zur Halbzeit bereits Meisterschaftsführender. Kurz vor Saisonende zerstörte Fritz seine Superbike Yamaha beim Training am Lausitzring, bei dem 80 % der Fahrer zu Boden mussten. So wurde das Superstock Motorrad von 2015, dass mittlerweile als Ersatzteillager für die Superbike Yamaha diente, in Windeseile einsatzfähig gemacht werden. Doch auch die 12 PS weniger und 6 Kilo Zusatzgewicht konnten Fritz auf dem Wege zum Titel nicht aufhalten. Beim Finale in Hockenheim bedankte sich der Bayer Bikerbox- Langenscheidt Pilot trotz einem Sturz mit dem achten Saison Sieg und 6 Sekunden Vorsprung bei seinen treuen Fans.

Als kleiner Privatfahrer den Piloten der opulenten Werksteams um die Ohren zu fahren – für Marvin Fritz die Eintrittskarten zur internationalen Szene und damit die Erfüllung eines Traumes. Fritz: “Der Profisport ist sehr kostenintensiv, der Weg nach oben sehr steil, nur die Besten werden ausgewählt. Entweder man bringt ausreichend Mitgift mit, oder man überzeugt durch Leistung. Mitgift hatte ich jedenfalls keine, aber Talent und Jakob Bayer und Sepp Buchner als Mentoren und Förderer“.

Nach langen Überlegungen für 2017 sind die Würfel gefallen. Fritz: “2017 fahre ich den Superstock 1000 FIM Cup, der zusammen mit der Superbike Welt­meisterschaft, der World SBK in neun Ländern ausgetragen wird. Saisonauftakt ist vom 31.03.-02.04.2017 im spanischen Aragon.

Nach dem Motto „never change a winning team“ vertraut Marvin Fritz weiterhin auf das Erfolgsduo Bayer/Buchner und wird im Bayer- Bikerbox Yamaichi Team auf einer Yamaha R1 unterwegs sein. Marvin Fritz: “Ich freue mich diese Chance zu bekommen. Es wird spannend, viele internationale Rennstrecken kenne ich nur von den TV Übertragungen“. Für den Bayer- Bikerbox Yamaichi Fahrer gibt es keine Winterpause im Kreise seiner Familie. Fritz: “Es stehen noch einige offiziellen Ehrungen an, dann geht schon zu den ersten Testfahrten nach Spanien“.